Wir beginnen bei NULL

Also mal ganz langsam…

Als gestern die Stimmen lauter wurden, dass auch die ungültigen Stimmabgaben in den Topf der 100 % mit hineingezählt werden müssen, kam aus der Ecke der Jubilee Koalition von Seiten Rutos der Einwurf, man wisse von ausländischen Missionen, die ihren Standpunkt zu dieser Angelegenheit bezogen und bei der Wahlkommission dafür geworben hätten.

Für mich klingt das etwas fragwürdig … welche Missionen? Und warum solle sich das Ausland in etwas einmischen, dass klar in der Verfassung geregelt ist. Laut Verfassung heißt es, wer zum Präsidenten erklärt wird benötigt "more than half of all the votes cast in the election" … was so viel heißt, dass alle abgebenen Stimmen gezählt werden. Also auch die ungültigen, denn sie sind ja abgegeben. Leider hat man das in Kenia wohl bis jetzt nicht richtig beachtet. Und als man sich nun dessen bewusst wurde, stellte man schnell fest, dass der bisherige Vorsprung Uhurus vermutlich nicht zum Wahlsieg ausreichen würde.

Hierzu ein fiktives Beispiel, um die Lage für Außenstehende besser zu erklären. Nehmen wir an, es waren 10 Mio. Bürger bei der Wahl. Demnach benötigt der neue Präsident 5 Mio. + 1 Stimmen um zu gewinnen. Sollten nun also etwa 5 % der abgegeben Stimmen ungültig sein, verblieben nur noch 9,5 Mio gültige Stimmen. Nach Adam Riese wären das dann 4,75 Mio. Wähler, die die 50 % Marke ausmachen. Diese Grenze, da war sich die Jubilee Allianz wohl sicher, würde Uhuru auf jeden Fall knacken.

Nachdem die Verfassung allerdings besagt – und das ist m.E. eigentlich klar so geschrieben – dass die ungültigen Stimmen mitgezählt werden müssen, ist die Hürde für den Gewinner eben im vorgenannten Beispiel um 250.000 Stimmen höher. Aktuell und auch unter der Berücksichtigung, dass vermutlich mehr Hochburgen Uhurus denn Hochburgen Railas ausgezählt wurden, scheint kein Kandidat diese magische Grenze zu knacken.

Das man nun versucht, die Verfassung anzuzweifeln oder gar neu auszulegen, gibt einem zu bedenken. Dass Ruto nun sagt, es seien ausländische Missionen, die wohl die Wahlkommission ??? beeinflussen ??? wollen, ist … ich will es lieber nicht schreiben …

Ein weiteres Problem scheint die elektronische Übertragung der Wahlergebnisse von den einzelnen Bezirken zu sein. Seit gestern haben sich die Zwischenstände nur unerheblich verändert. Das System soll jetzt ganz zusammengebrochen sein.

Gemäß afrikaecho.de soll die Wahlkomission die elektronischen, vorläufigen Ergebnisse vollkommen verworfen haben. "Es wird jetzt damit begonnen, die von den Wahlvorständen persönlich nach Nairobi gebrachten Wahlergebnisse aus den einzelnen Distrikten zusammenzuzählen. Ein Schritt zurück auf (fast) Null, der für viel Unmut und Ungeduld sorgt."

Gegen 15 Uhr macht eine weitere Meldung keine gute Stimmung: man hat in Nairobi ungültige Stimmzettel im Müll gefunden.

Hoffen wir, dass die Kenianer weiterhin so ruhig und geduldig auf das Endergebnis warten, wie es seit Montag Abend der Fall ist!

 

 

 

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