Archiv für 5. März 2013

Tag EINS nach der Wahl

Es wird gezählt! Überraschend für die meisten Beobachter und auch mich: Uhuru liegt seit Beginn der Zählungen in Führung. Am späten Dienstag Nachmittag liegen die beiden Hauptkontrahenten Uhuru Kenyatta und Raila Odinga rund 600.000 Stimmen auseinander. Das hatte so keiner erwartet, nachdem in den Wahlumfragen von einem Kopf an Kopf Rennen die Rede war und die Meinungsforschungsinstitute kurz vor der Wahl von annähernd 44,X % zu 44,X % gesprochen wurde.

Die drittgrößte Wählergruppe ist die der ungültigen Stimmen. Bis jetzt rund 5 %, was auch bedeutet, dass die Aufklärung der Wähler nicht all zu gut war und viele dann eben doch durch die 6 unterschiedlichen Stimmzettel durcheinander kamen. Man darf auch nicht vergessen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Kenianer (vorallem die Älteren) nicht oder nur wenig schreiben und lesen können!

Gegen Mittag sind rund 30 % der Stimmen ausgezählt und das Zwischenergebnis lautet rund 2,3 Mio. Stimmen für Uhuru (ca. 54 %) und 1,7 Mio. für Raila (ca. 41 %). Es wird gemunkelt, dass wohl zuerst die Wahlhochburgen von Uhuru ausgezählt wurden und daher der Abstand so deutlich sei. Auf afrikaecho.de ist ein Link zu finden, der das Ganze etwas untermauert. Es scheint tatsächlich so zu sein. Die Zwischenergebnisse in der Presse werden nicht in Zusammenhang mit Wahlgegenden veröffentlicht. Es werden lediglich die gezählten Stimmen von "irgendwo" zusammengezählt. Es scheint daher alles offen zu sein.

Am Nachmittag werden die ersten Irregularitäten auf Uchaguzi, einer unabhängigen Monitoring-Plattform, gemeldet. Vereinzelt sollen Wahlurnen bereits geöffnet gewesen sein, als die Auszählung begann und es wurde auch von "fremden" Stimmen in den Wahlurnen geredet. Hoffentlich wirklich vereinzelt.

Am frühen Abend ist der Zwischenstand bei rund 2,8 Mio. für Uhuru und 2,2 Mio. für Raila…also immer noch die rund 600.000 Stimmen wie am Morgen. Bis wir gegen 23 Uhr ins Bett gehen, verändern sich diese Werte nicht mehr. Wir wundern uns, ob die Auszählung wirklich so langsam läuft oder die Presse ein Veröffentlichkeitsverbot bekommen hat. Das ist natürlich rein spekulativ!

 

 

Es ist so weit …

…es wird gewählt!

Eines vorab: In Ukunda und Diani Beach ist alles vollkommen friedlich und wir hoffen, dass dies auch so bleiben wird. Seit heute morgen um 6 Uhr die Wahllokale geöffnet haben, bilden sich überall lange Schlangen und die Geduld des Einzelnen wird ganz schön strapaziert. Der Wahlgang ist nicht ganz einfach. Es müssen sechs verschiedene Stimmzettel ausgefüllt werden, denn es wir nicht nur ein neuer Präsident und die Parlamentsabgeordneten gewählt sondern auch ein Senator für den neu entstandenen Senat, der sich aus den 47 neu entstandenen Bezirken zusammensetzt. Hinzu kommen dann noch Gouverneure für den jeweiligen Bezirk, eine Frauenabgeorndete des Bezirks, und zuletzt all die Bezirksabgeordneten für die Bezirksparlamente. Uff…ich hoffe, ich habe das nun richtig erklärt ;-)

Leider startete der Tag nicht mit guten Nachrichten. Bereits in der Nacht gab es Tote in Mombasa. Zuerst hieß es, es stünde nicht im Zusammenhang mit den Wahlen. Mittlerweile sind die Vorfälle aber auch in der Presse und es heißt, Polizisten seien in einen Hinterhalt gelockt worden. Rund 200 Anhänger des MRC (Mombasa Republic Council), die die Unabhängigkeit der Küste fordern, haben die Polizei mit Pfeil und Bogen, Macheten und Gewehren angegriffen. Die Presseartikel unterscheiden sich ein wenig und man weiß zuletzt nicht, was man wirklich glauben kann.

Eine meiner Angestellten kam bereits vom Wählen (sie war hier in Maweni, nahe dem Ukunda Airstrip) zurück. Lange Schlangen, sehr scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Polizei hat die Gewehre im Anschlag. Bis jetzt alles ruhig. Ein Freund hat mir aus Ukunda eine Nachricht gesendet. Alles ruhig, nur wenige Shops geöffnet und kaum Autos unterwegs.

In den Medien wird nun berichtet, dass die elektronischen Wähler-Kits in zahlreichen Wahllokalen ausgefallen sind. Man geht zurück zur alten Wählerliste. Hoffentlich ist das nicht geplant und öffnet dem nächsten Wahlbetrug alle Türen…hoffentlich!

Solange Ukunda und Diani Beach ruhig sind – und ich gehe fest davon aus, auch ruhig bleiben – geht das Leben für uns seinen gewohnten Gang weiter. Es ist unglaublich heiß, wir liegen im Schatten auf den Sonnenliegen und versuchen uns ein wenig mit Lesen, Schwimmen und Mittagsschläfchen abzulenken. Zumal ich eh davon ausgehe, dass es zwischen Uhuru und Raila super knapp wird und wir somit vermutlich eine Stichwahl bekommen werden, die dann irgendwann im April stattfinden wird.